Die Sporttherapie wird bei Parkinson-Erkrankungen eingesetzt, zumeist um die motorischen Symptome zu behandeln. Aber Sport ist auch für die Therapie kognitiver Symptome wichtig. Zu diesem Ergebnis kam ein deutsch-australisches Wissenschaftlerteam der Deutschen Sporthochschule Köln (Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft) und der University of the Sunhine Coast (VasoActive Research Group) mit einer systematischen Literaturanalyse. Dabei sollte überprüft werden, welche Effekte spezifische Sportformen (Ausdauer-, Koordinations- und Krafttraining) auf die kognitive Leistungsfähigkeit von Parkinson-Betroffenen haben.

„Das Potenzial von körperlichem Training, körperliche und nicht-körperliche Symptome zu verbessern, ist vielversprechend. Sport scheint die Progression der Parkinson-Erkrankung verlangsamen zu können“, bilanziert der leitende Forscher der Studie, Tim Stuckenschneider von der Deutschen Sporthochschule Köln. Er fügt hinzu: „Die Sporttherapie muss – und ist bereits vielerorts – ein essentieller Bestandteil der Behandlung der Parkinson-Erkrankung sein. Allerdings wird die Sporttherapie weitestgehend empfohlen, um Motorsymptome zu behandeln. Im Sinne einer ganzheitlichen Therapie sollten auch die Effekte des Sports auf die nicht-motorischen Bereiche wie die Kognition anerkannt werden.“ Wichtig sei nun, dass Wissenschaftler die effektivsten Sportformen wiederfinden.

Basis der Studie war die Erkenntnis, dass Sport die kognitive Leistungsfähigkeit bei älteren Menschen verbessert beziehungsweise aufrechterhält. Ob dies auch für die chronische, neuro-degenerative Parkinson-Erkrankung gilt, war unklar. Losgelöst von der Parkinson-Erkrankung steigen weltweit kognitive Einschränkungen an.

Eine leichte kognitive Einschränkung wurde bei 57 Prozent der Patienten festgestellt, nach zehn Jahren leidet eine Mehrheit an Demenz. Das Wissenschaftsteam stufte elf vor März 2018 veröffentlichte Studien als qualitativ ausreichend ein. Darin wurde bei über 500 Parkinson-Patienten die Effektivität verschiedener Sportarten untersucht.

Das Ergebnis: Sport hat keinen negativen Einfluß auf die Kranken, er bewirkt das Gegenteil. Bei vier Studien zeigten sich signifikante Verbesserungen spezifischer kognitive Symptome. Aber auch eine allgemeine Linderung der Symptome wurde festgestellt.

Die Forscher zogen dann folgende Schlüsse:

  • Sport führt grundsätzlich zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit bei Parkinson-Erkrankten.
  • Zum derzeitigen Zeitpunkt kann keine eindeutige Empfehlung gegeben werden, welche Sportform (z.B. Koordinations-, Ausdauer-, Krafttraining) am besten zur Verbesserung der Kognitionsleistung führt.
  • Ausdauertraining scheint besonders geeignet zu sein, um das Gedächtnis positiv zu beeinflussen. Aber die Ergebnisse der durchgeführten Literaturanalyse zeigten hier auch kontroverse Studienresultate.
  • Aufgrund der derzeit noch dünnen Studienlage empfiehlt das Wissenschaftlerteam daher, Sportformen direkt miteinander zu vergleichen.

„Unsere Arbeit zeigt, dass Sport als Medizin wirken kann und dementsprechend als Therapie für Betroffene empfohlen werden muss, um die vielfältigen Symptome der Parkinson-Erkrankung zu bekämpfen“, sagt Stuckenschneider.

Quelle: https://www.dosb.de/sonderseiten/news/news-detail/news/sport-ist-ein-wichtiger-therapiefaktor/

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