Das Berliner Start-up Epinamics tritt an, die Produktwelt der Wirkstoffpflaster zu revolutionieren. Nicht mehr kleben, sondern sprühen – so lautet die Devise. Und eine fesche Marketingbezeichnung für das neue Produkt gibt’s auch schon: Liqui-Patch. […]

Die Firmeninhaber sind optimistisch, dass das Produkt in gut zwei Jahren auf den deutschen Markt kommt. Durch den aufgesprühten Wirkstoff Rotigotin sollen Parkinson-Patienten künftig einfacher therapiert werden. Der Wirkstoff wird mit einem Pumpspray-Applikator einfach auf die Haut gesprüht, innerhalb von 90 Sekunden bildet sich ein Film auf der Haut, aus dem der Wirkstoff freigesetzt und über die Haut in den Blutkreislauf abgegeben wird, ohne den Magen-Darm-Trakt oder die Leber vorher passieren zu müssen. „Das Liqui-Patch ist so bedeutend schonender für den Patienten, der Wirkstoff kann geringer dosiert und mit deutlich geringeren Nebenwirkungen verabreicht werden“, erläutert Hans-Michael Thiede, CSO von Epinamics die Vorteile seiner Produktentwicklung. Thiede verspricht durch die Verwendung des Liqui-Patch weniger Hautreizungen, die Pflaster mitunter auslösen, und eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.

Sogenannte Wirkstoffpflaster, die auf eine Hautstelle aufgeklebt werden und dann einen Wirkstoff freisetzen, gibt es heute schon für unterschiedlichste Anwendungsgebiete: beispielsweise Östrogenpflaster, die als Hormonsubstitution während der Menopause zum Einsatz kommen; Nikotinpflaster in der Raucherentwöhnung oder auch Pflaster, die entzündungshemmende Wirkstoffe etwa bei Arthrose freisetzen. „Pflaster aus der Sprühdose“ zum Schließen von Schürfwunden stehen mittlerweile in vielen Haushalten.

Ein Sprühpflaster aber, das Wirkstoffe zur Therapie von Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer versprüht, sei dagegen eine Weltneuheit, so der Internist Thiede. Er und seine Epinamic-Kompagnon Professor Dr. Wolfgang Kehr haben sich deswegen Liqui-Patch in Europa, Asien und den USA patentieren lassen. In Brasilien und weiteren lateinamerikanischen Märkten wollen die Unternehmenschefs das Pumpspray für Alzheimerpatienten auf den Markt bringen und haben sich dafür bereits einen Entwicklungs- und Vertriebspartner gesucht.

Noch stehen die erforderlichen klinischen Studien für den europäischen wie auch für den lateinamerikanischen Markt aus. Für die Zulassung in Europa gibt’s aber schon einen konkreten Fahrplan: Ende 2017 soll die erste klinische Studie der Phase I starten.

Quelle:  „Nationale Informationsplattform Medizintechnik“
https://www.medizintechnologie.de/aktuelles/nachrichten/2017-3/wirkstoff-spruehpflaster-kleben-war-gestern/