Dienstag, 2. Oktober 2018 – Der Eindruck täuscht nicht. In vielen Ländern der Erde ist die Zahl der Menschen, die an einem Morbus Parkinson erkrankt sind, deutlich gestiegen. Laut der jüngsten Schätzung der Parkinson’s Disease Collaborators hat sich die weltweite Zahl der Erkrankungen seit 1990 von 2,5 auf 6,1 Millionen Menschen mehr als verdoppelt. Bis zum Jahr 2040 könnte die Zahl auf 14,2 Millionen ansteigen.

Die Zunahme ist jedoch weitgehend auf die gestiegene Lebenserwartung zurückzuführen. Das Lebensalter ist der mit Abstand wichtigste Risikofaktor. Der Altersgipfel liegt zwischen 85 und 89 Jahren. In dieser Gruppe leiden 1,7 Prozent der Männer und 1,2 Prozent der Frauen unter der degenerativen Hirnerkrankung, Männer sind zu 40 Prozent häufiger betroffen als Frauen. Bei den Über-90-Jährigen sinkt die Prävalenz leicht. Die jüngeren Patienten sind dann gestorben, Neuerkrankungen werden seltner.

Die altersadjustierte Prävalenz des Morbus Parkinson ist seit den 1990er-Jahren „nur“ um 21,7 Prozent gestiegen. Die Todesfälle nahmen um 19,5 Prozent zu. Die Differenz erklärt sich daraus, dass Menschen mit Morbus Parkinson heute dank der Behandlung mit L-DOPA und anderen Medikamenten eine etwas höhere Lebenserwartung haben.

Eine derzeit viele Epidemiologen beschäftigende Frage kann die Studie nicht lösen. Zu den diskutierten Risikofaktoren der Erkrankung zählt die Exposition mit industriellen Chemikalien, Pestiziden, Lösungsmitteln und Metallen. Tatsächlich erkranken in reicheren Ländern, wo die Schadstoffexposition höher ist, mehr Menschen. In Nordamerika ist die Inzidenz fünfmal höher als in den Ländern südlich der Sahara. Aber auch hier dürfte der Unterschied in der Prävalenz in erster Linie auf die höhere Lebenserwartung zurückzuführen sein.

Ein weiterer kurioser Einflussfaktor ist das Rauchen. Raucher erkranken seltener an einem Morbus Parkinson. Auch die Parkinson’s Disease Collaborators ermitteln einen günstigen Einfluss. Rauchen könnte nach ihrer Analyse weltweit 461.194 Krankheits­jahre (DALY) verhindert haben. Auch diese Zahl muss hinterfragt werden. Die „neuroprotektive“ Wirkung von Tabakrauch ist umstritten. Eine frühere Fall-Kontroll-Studie führt die niedrigere Zahl der Raucher unter den Patienten darauf zurück, dass die Patienten in der Prodromalphase der Erkrankung den Geschmack an den Zigaretten verlieren und es ihnen deshalb leichter fällt, das Rauchen aufzugeben.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/blog/98236/Wird-der-Morbus-Parkinson-immer-haeufiger

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