Im Jahr 2012 fanden in der Parkinson-Selbsthilfegruppe Esslingen Kurse für Tanztherapie statt. Leider konnten die Kurse nicht dauerhaft fortgeführt werden.
Wirkung der Tanztherapie:
Die Bewegungen zur Musik lockern den Körper, fördern die Durchblutung und machen den Kopf frei. Egal ob zu zweit oder alleine, Tanzen bringt Freude und hat neben den körperlich positiven Aspekten auch positive Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden. Langfristig kommt es zu einer Verbesserung von Atmung und Körperhaltung und bringt den Menschen mit seiner Lebensfreude und Lebendigkeit wieder in Kontakt.
Somit fördert die Bewegung durch den Tanz nicht nur die motorischen, sondern auch die geistigen Fähigkeiten. Tanz ist Begegnung: Tanzen offenbart Einsamkeit und lädt ein, lebendigen Kontakt zu wagen.
Die enge Verbindung zwischen Körper und Seele kann zu körperlichen Beschwerden führen, die durch die Tanztherapie gelindert werden können. Muskelverspannungen können durch die Tanztherapie aufgelöst werden. Veränderungen auf der Bewegungsebene wirken auf die gesamte Persönlichkeit und fördern das ganzheitliche Erleben.
Tanz meint hier nicht das Einüben von festen Schrittkombinationen, sondern lädt zu freien, spontanen Bewegungen ein, ohne Norm und Leistungsanspruch. Tanztherapie dient der Förderung der Körperwahrnehmung, der Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung und der Erweiterung der Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten.
Neurologen heben immer wieder hervor, wie günstig und hilfreich das Einüben einfacher Tänze für Parkinsonkranke ist.

In Deutschland gibt es bereits einige Parkinson-Selbsthilfegruppen, die  begeistert und erfolgreich das Tanzen praktizieren.

Wie die Parkinson Tanzgruppe in New York arbeitet können Sie hier im Video sehen:
http://markmorrisdancegroup.org/resources/media/2-performances/11-why-dance-for-pd

Ein Video von einer Tanzgruppe bei Bremen finden Sie hier:
http://stream-tv.de/sendung/1213002/sonntags-tanzen-gegen-parkinson

Ein Bericht über die Tanztherapie in der Eßlinger Zeitung:
Antanzen gegen die Krankheit
Von Elisabeth Schaal
Artikel vom 15.09.2010 © Eßlinger Zeitung

ESSLINGEN: Mitglieder der Parkinson-Selbsthilfegruppe üben bei der Tanzschule Kaiser Walzer und Co.
Fleißig getanzt hätten sie beide, damals, als es in Esslingen noch die Tanzschule Rauser gab. Auch jetzt zieht es den mittlerweile 80-jährigen Helmut Stehle aufs Parkett. An seiner Hand hat er seine Frau Waltraud. Sie gibt Halt. Vor zehn Jahren hat er die Diagnose Parkinson bekommen. Jetzt tanzt er mit anderen Mitgliedern der Parkinson- Selbsthilfegruppe Esslingen gegen die Krankheit an.

Es sind nicht die üblichen Tanzkursteilnehmer, die sich an diesem Mittag bei der Tanzschule Kaiser im Dick treffen. Manche haben Gehhilfen dabei, Horst Weber, bei dem die Krankheit vor 22 Jahren festgestellt worden ist, einen stabilen Rollator. Mit unglaublicher Willensstärke wird der knapp 60-Jährige später mit Tanzlehrer Peter Beïs einige Walzerschritte aufs Parkett legen, seinen Rollator an die Seite schieben. „Tanzen mit Parkinson – davon wird man in nächster Zeit mehr hören“, ist Beïs überzeugt. Das Thema sei im ADTV angekommen, dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband. Bei ihm ist es vor allem von Seiten Sigrid Strengs angekommen. Sie ist die Leiterin der vor etwa einem Jahr gegründeten Esslinger Parkinson-Selbsthilfegruppe. Selbst mit viel Freude am Tanzen und dabei speziell an sogenannten Kreistänzen dabei, kam mit einer Neurologin ins Gespräch über Tanzen und Parkinson: „Diese sagte ganz euphorisch, dass dies die allerbeste Therapie sei für Patienten“, erinnert sich Streng.

Für mehr Beweglichkeit

Das ließ sie nicht los. Es folgten Recherchen im Internet. Dabei las sie immer wieder, wie günstig und hilfreich das Einüben einfacher Tänze für Parkinsonkranke sei. „Ich habe entdeckt, dass ich beileibe nicht die Einzige bin mit dieser Idee“, erzählt die Gruppenleiterin, die eine psychotherapeutische Ausbildung hat. In Deutschland gebe es bereits mindestens zwei Gruppen, die begeistert und erfolgreich das Tanzen praktizierten. In Bremen sei ein Tanzlehrer selbst betroffen, in Freiburg organisiere eine Neurophysiologin sogar Ballettstunden für Parkinsonkranke.

„Das hat mich bestätigt“, sagt Sigrid Streng, die sich völlig im Klaren darüber ist, dass die Krankheit damit „nicht geheilt werden kann“. Parkinson, eine degenerative Veränderung des Gehirns, lässt die Betroffenen die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Sie kämpfen mit Muskelzittern, Muskelstarre, verlangsamten oder nicht steuerbaren Bewegungen. Linderung verschaffen Medikamente. „Und man kann etwas gegen den Verlust der Beweglichkeit tun. Eben mit Tanz, der mehr ist als eine gymnastische Übung zu physiotherapeutischem Zweck, und der Motorik und Bewegung fördert.“ Die Musik mache Freude, der Rhythmus gehe in die Beine, der Kopf werde gefordert – „all das zusammen scheint mir richtig“. Eine Einschätzung, die übrigens auch Martin Runge teilt, der Ärztliche Direktor der Aerpah-Klinik Esslingen-Kennenburg. Ihn interessiert diese Tanztherapie und so nimmt auch Therapeutin Astrid Schweizer an der Tanzrunde teil, um Anregungen fürs eigene Haus mitzunehmen.

Sigrid Streng fand mit Tanzschulinhaber Helmut Kaiser und Tanzlehrer Peter Beïs „sehr offen eingestellte und entgegenkommende Partner“ für die Tanztherapie. „Es ist doch wie bei den anderen Tänzern. Jeder lernt anders, jeder tanzt anders. Hier sind es eben Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern“, sagt Beïs.

Niemand wird überfordert

Es sind reguläre Tänze wie Walzer und Blues, auch mal Freestyle, in ihrer einfachsten Form, die er mit den Teilnehmer einübt. „Vor Schritt, Schritt, und rück, Schritt, Schritt. Ja, das sieht ganz gut aus, Leute, nicht so viel denken, ein bisschen Freude soll ja auch dabei sein“, motiviert er unermüdlich die Gruppe. Die Gesichtszüge der Tänzer entspannen sich zusehends, auch jener, die schwer zu Fuß sind. Niemand wird überfordert, wer ausruhen will, kann das tun. Und zum Koordinationstraining mit Musik setzen sich alle in einer Runde hin.

„Sich in seinen eigenen vier Wänden allein nach Musik bewegen, das ist schwer. Wenn ich immer daheim wäre, würde ich versauern und nur noch Probleme wälzen. Hier sehe ich, dass auch andere Probleme haben. Aber wir verkriechen uns nicht mit unserer Krankheit, wir trauen uns was, und es macht Spaß“, sagt Weber, der „immer sportlich“ war. Auch Helmut Stehle freut sich, „eine solche Sache“ zu machen“: „Zuhause mache ich viel zu wenig Gymnastik“, gibt er schmunzelnd zu.

Sigrid Streng erlebt, dass es in der Gruppe nicht mehr nur um ein Thema, nämlich Parkinson, geht, dass Berührungsängste bei der Tanztherapie verschwinden und das Selbstbewusstsein der Teilnehmer steigt: „Das ist doch ein tolles Gemeinschaftserlebnis.“

Artikel von Elisabeth Schaal,  15.09.2010 © Eßlinger Zeitung,
siehe:
http://www.esslinger-zeitung.de/lokal/esslingen/esslingen/Artikel601662.cfm

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