Robin Williams

„Terroristen in seinem Gehirn“

Robin Williams

Robin Williams – hier auf einem Foto von 2006 – wusste nicht, unter welcher Krankheit er litt. (Foto: REUTERS)

Die Frau des verstorbenen Schauspielers beschreibt in einer Fachzeitschrift sein Leiden an der Lewy-Körperchen-Demenz. Sie will damit die Aufmerksamkeit auf die wenig bekannte Krankheit richten.

Etwas mehr als zwei Jahre nach dem Tod von Robin Williams schildert seine Ehefrau, wie der Schauspieler in seinen letzten Lebensmonaten zunehmend unter einer schweren Gehirnerkrankung litt. In der Fachzeitschrift Neurology, dem Journal der American Academy of Neurology, legt sie dar, wie Gedächtnisaussetzer und Schlaflosigkeit, motorische Störungen und Angstattacken ihm zunehmend zu schaffen machten, ohne dass Williams selber die Ursache dafür kannte.

Zwar wurde drei Monate vor seinem Tod bei ihm Parkinson diagnostiziert. Doch erst Monate nach seinem Tod am August 2014 stellte sich bei der Obduktion heraus, dass Williams auch an der sogenannten Lewy-Körperchen-Demenz (Lewy-Body-Dementia, LBD) erkrankt war, wie seine Frau in einem Interview sagte. Die LBD ist eine spezielle Form der Demenz, die Alzheimer ähnelt. Mit ihrem jetzigen Beitrag will Schneider Williams dazu beitragen, das Bewusstsein und das Wissen über die „wenig bekannte, aber tödlich verlaufende“ Krankheit zu vertiefen, vor allem auch bei Ärzten.

„Robin verlor seinen Verstand und er war sich dessen bewusst. Können Sie sich vorstellen, wie schmerzhaft es für ihn war, zu merken, wie er sich auflöste? Und zwar durch etwas, das er nicht benennen oder verstehen konnte?“, schreibt sie und schildert, wie dieser bereits im Herbst 2013 unter Herzrasen, Schlaflosigkeit, einem beeinträchtigen Geruchssinn und anderen Symptomen litt. Wie er sich bei Filmaufnahmen im April zum Teil an keine einzige Zeile erinnern konnte – und das, obwohl er doch nur drei Jahre zuvor bei einer Broadway-Produktion täglich Hunderte von Textzeilen ohne einen einzigen Fehler vorgetragen habe.

„Ich möchte mein Gehirn neustarten“

Sie beschreibt, wie ihr Mann in nur wenigen Monaten zeitweilig die Kontrolle über seine motorischen Funktionen verlor, von einem leichten Zittern der Hand bis hin zu Momenten, in denen er wie eingefroren war, unfähig, sich zu bewegen. Und wie er zunehmend von unkontrollierbaren Angstzuständen und wohl auch Halluzinationen heimgesucht wurde. „Ich möchte mein Gehirn einfach neustarten“, habe er oft gesagt.

Williams konsultierte zahlreiche Ärzte. Herz, Gehirn, Blut, alles wurde untersucht und erbrachte doch nichts, außer der Nachricht von einem erhöhten Wert des Stresshormons Cortisol. Im Mai 2014 sei bei ihrem Mann dann Parkinson diagnostiziert worden – doch habe dies nicht alle Symptome erklären können. Nach dem „Terroristen in seinem Gehirn“ hätten sie die gesamten letzten Monate vor seinem Suizid gesucht.

„Das Schlüsselproblem schien zu sein, dass niemand Robins Symptome rechtzeitig korrekt interpretieren konnte“, schreibt sie. Zugleich wirft sie die Frage auf, ob es ihrem Mann geholfen hätte, die Diagnose zu kennen, da die Ärzte ihn nicht hätten heilen können.

Doch hätten zumindest manche Symptome Williams‚ mit akkurater Diagnose vielleicht gelindert werden können. So hätten ihm Ärzte antipsychotische Medikamente gegen seine Angstzustände verordnet, schreibt seine Witwe – bei seiner Erkrankung womöglich genau das falsche Mittel.

Der amerikanischen „Lewy Body Dementia Association“ zufolge wirken nämlich manche Medikamente bei LBD-Patienten anders als bei anderen Demenzkranken. Gängige antipsychotische Medikamente können demnach bei ihnen bis zum Nierenversagen führen. Manche Mittel gegen Parkinson können gerade LBD-Symptome noch verstärken. Eine frühe Diagnose sei daher besonders wichtig.

Sie hoffe, schreibt Schneider Williams am Ende ihres Artikels an die Ärzte gerichtet, dass, indem sie ihnen von diesen Erfahrungen berichte, „Robins Leiden durch ihre Arbeit in etwas Bedeutsames“ gewendet werden könne.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/verstorbener-oscar-preistraeger-robin-williams-terroristen-in-seinem-gehirn-1.3187959

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