Wilhelm von Humboldt (1767–1835)

Wilhelm von Humboldt, geboren am 22. Juni 1767 in Potsdam, war, wie sein Bruder Alexander, mit dem sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund zur Welt gekommen. Aufgewachsen auf Schloss Tegel bei Berlin – er nannte es gern: „Schloss Langweil“ – erhielt er die für den preußischen Adel übliche Erziehung durch Privatlehrer.

Das anschließende Jura-Studium war die klassische Vorbereitung auf die Beamtenlaufbahn. Und tatsächlich bekleidete Humboldt im Laufe seines Lebens mehrfach öffentliche Ämter – aber immer nur so lange, wie er glaubte, dem Gemeinwohl dienen zu müssen. Ansonsten zog er sich gern zurück.

Das Berliner Schloss Tegel, auch bekannt als Humboldt-Schloss. (imago stock&people) Das Berliner Schloss Tegel, auch bekannt als Humboldt-Schloss. (imago stock&people)

Bildung zur Entfaltung des Geistes

Und doch reiste er gern. Mit 22 Jahren hielt er sich in Paris auf, wo ihn der hautnahe Kontakt mit der Revolution nachdenklich machte. Abschaffung von Adelsprivilegien – das leuchtete ihm ein, nicht aber der alsbald sich abzeichnende staatliche Terror im Namen der Tugend. In seinen „Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ definiert er als oberstes Staatsziel die Gewährleistung der Freiheit des Einzelnen. Dies aber nicht, damit der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann. Humboldt glaubte gerade im Gegenteil, dass nur freie Menschen ihr humanes Potential zum Wohle des Ganzen entwickeln können.

In diesem Geist erarbeitete er auch sein humanistisches Bildungsprogramm für Preußen. Es ging ihm nicht um vordergründige Nützlichkeit: Schule und Universität sollten die jungen Menschen, vor allem durch Sprachunterricht, zur Entfaltung ihres Geistes befähigen, in ihrem eigenen Interesse, aber auch zum Guten der Nation.

Das vom Bildhauer Paul Otto geschaffene Marmordenkmal des Universitätsbegründers, Sprachforschers und Staatsmanns Wilhelm Freiherr von Humboldt. (imago/Hohlfeld) Paul Ottos Denkmal des Universitätsbegründers, Sprachforschers und Staatsmanns Wilhelm von Humboldt in Berlin. (imago/Hohlfeld)

Das eigene Leben als Werk

Wenn man Wilhelm von Humboldt nach dem Wichtigsten in seinem Leben gefragt hätte, so wäre es nicht die Politik, nicht die Kunst, nicht die Literatur gewesen. Er begriff sein Leben selbst als ein Werk – vor allem seine Ehe mit Caroline von Dacheröden aus Erfurt. Für ihn lag in der Beziehung von Frau und Mann das Urbild des Verhältnisses zwischen freien Individuen. Caroline und Wilhelm waren kaum älter als 20, als sie heirateten. Sie nannte ihn „Bill“, er nannte sie „Li“, und ihr wahrhaft freiheitsliebendes Wesen gab seinem Herzen in fast vierzig Ehejahren manches Rätsel auf. Acht Kinder hatten sie. Ihr Briefwechsel ist ein rührendes Dokument zärtlichen Respekts zwischen Eheleuten.

Als seine „süße Li“ 1829 starb, führte der an Parkinson erkrankte Humboldt sein Leben als Privatgelehrter und elder statesman mühsam, aber diszipliniert weiter. Nach seinem Tod im April 1835 fand sich auf seinem Schreibtisch ein Kästchen mit 1183 Gedichten, die er in seinen letzten Lebensjahren geschrieben hatte, unter anderem mit dieser letzten Botschaft: „Dem Du entspricht ein Ich; man fühlt ein Wogen / Von Trunkenheit in heilger Wonne Stille. / Denn Du und Ich, zu Wir vereint zusammen, / Hebt über der Gestirne Aetherflammen.“

MEHR ZUM THEMA

Wilhelm von Humboldts Bildungsideal – Vom Menschenkind zum Menschen
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 21.06.2017)

Quelle: Deutschlandfunk Kultur Beitrag vom 22.06.2017
http://www.deutschlandfunkkultur.de/250-geburtstag-von-wilhelm-von-humboldt-der-begruender-des.932.de.html?dram:article_id=389273

http://www.parkinson.ch/index.php?id=332&L=0