Über den heilsamen Umgang mit einer unheilsamen Krankheit

Im Sommer des vorigen Jahres [2014] wurde ein Medizinwunder vermeldet. Ein Professor aus Dresden habe einen Wirkstoff gegen Morbus Parkinson in einigen Joghurtsorten entdeckt, vornehmlich in bulgarischen. Von einer „bahnbrechenden Entdeckung“ war die Rede. Die Meldung vom Joghurt-Wunder erreichte mich an dem Tag ungefähr zehnmal. Den Anfang machte ein Kollege aus Dresden, der mir die Neuigkeit vorlas – hörbar stolz, aus seiner Stadt etwas Positives berichten zu können. Es folgte ein Joghurt-Sturm auf mein E-Mail-Fach.

Ich hielt mich an diesem Tag in Brandenburg auf, es gab in unserem Lebensmittelgeschäft keinen bulgarischen Joghurt.

Es klingelte wieder und wieder, und Menschen, die mir sehr nahe sind, sagten überglücklich: Joghurt, stell dir vor. Alles vorbei. So einfach.

Ich weinte.

Ich fühlte mich der Erlösung nahe und hoffte auf Erlösung für die Menschen, die auf meine Erlösung hofften, als wäre es ihre eigene. Ich kaufte ersatzweise märkischen Joghurt, verspeiste drei Becher und fühlte mich übersättigt.

Ich schaltete mein Handy aus, um mein neues Glück zu genießen. Zehn Jahre Parkinson reichen eigentlich auch.

Nach Glückstränen und Freudensprüngen bemerkte ich an mir Stunden später einen seltsamen Stimmungswechsel. Der Glaube an das Wunder war frisch. Aber wo war die Freude geblieben?

Den ganzen Artikel von Stefan Berg lesen Sie in der online-Version aus dem SPIEGEL vom 9. Mai 2015

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