Die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) feiert im Sommer 2018 ihren 75. Geburtstag. „Das ist für viele Frauen ein eher gruseliges Datum“, sagte sie und fügt an: „Aber es zeigt immerhin: Es gibt einen noch.“ Die einst so dynamische Powerfrau, die 1993 in Schleswig-Holstein erste deutsche Ministerpräsidentin wurde, hat ihren Sarkasmus nicht verloren. Simonis sitzt im Rollstuhl. Sie leidet seit Jahren unter Parkinson. Seit einiger Zeit kommt eine Pflegerin ins Haus. Auf die Frage nach Wünschen sagt Simonis: „Ich habe mit dem Herrn Parkinson noch ein Hühnchen zu rupfen.“

Seit 1967 ist die Sozialdemokratin mit Udo Simonis verheiratet. Der 80 Jahre alte emeritierte Umweltprofessor hat alle Höhen und Tiefen seiner Frau miterlebt – auch ihren politischen Albtraum. 13 Jahre ist es her, dass der als „Heide-Mörder“ in die Geschichte eingegangene unbekannte Abweichler ihre politische Karriere abrupt beendete. Bei insgesamt vier Wahlgängen bekam Simonis am 17. März 2005 im Landtag keine Mehrheit. Ein Abgeordneter aus den eigenen Reihen verweigerte ihr die Stimme. Sie gab entnervt auf. Wer der Abweichler war, ist bis heute nicht bekannt. Simonis brauchte Jahre, um dieses Debakel zu verkraften. Dass damals die Wiederwahl schiefgehen könnte, hatte sie nicht mal geahnt.

In Bonn geboren wächst Heide Simonis in Hamburg und Nürnberg auf. Sie ist die älteste von drei Schwestern. Mit 26 Jahren tritt die Studentin 1969 in die SPD ein – und ein unvergleichlicher Aufstieg beginnt. Nach fünf Jahren als Ratsherrin in Kiel (1971 bis 1976) geht sie als Bundestagsabgeordnete nach Bonn. Seit 1967 ist sie mit Udo Simonis verheiratet, den sie während des Studiums in Kiel kennenlernte. Beide wohnen in einer Wohnung in Kiel.
1988 kehrt Simonis als Finanzministerin zurück nach Kiel. Im Kabinett von Ministerpräsident Björn Engholm erwirbt sie sich den Ruf einer harten Sparkommissarin.

Nach einer politischen Bilderbuch-Karriere erreicht Simonis am 19. Mai 1993, was vor ihr noch keine Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland geschafft hatte: Sie wird Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein. Bis 2005 bleibt sie als Regierungschefin im Amt, dann kommt das spektakuläre politische Ende. Ein Abgeordneter verweigert Simonis nach der Landtagswahl die Gefolgschaft. In vier Wahlgängen erreicht die Politikerin keine Mehrheit. Die Sozialdemokratin braucht Jahre, um den Schock von 2005 zu verkraften. „Jetzt belastet es nicht mehr so“, sagt sie heute.

Auch nach ihrer politischen Karriere ist Simonis weiter in der Öffentlichkeit aktiv: Die Sozialdemokratin tritt in Quizshows auf,  kocht im Fernsehen, engagiert sich für UNICEF. Sie wird Vorsitzende der deutschen Vertretung, tritt aber im Februar 2008 zurück. Sie zieht damit die Konsequenzen aus den Differenzen mit Geschäftsführer Dietrich Garlichs, dem die Verschwendung von Spendengeldern zur Last gelegt wird.

Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Heide-Simonis-feiert-ihren-70-Geburtstag,simonis170.html

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