Aktuelle Studien zeigen, dass ein sofortiger Beginn der Behandlung insbesondere die Lebensqualität der Patienten mit einem Parkinson-Syndrom günstig beeinflussen kann. Dadurch ist die Lebenserwartung nur noch sehr wenig bis gar nicht mehr eingeschränkt. Vor der Entdeckung des Dopamins in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es dagegen bei den Betroffenen innerhalb kurzer Zeit zu einer schweren Bewegungsarmut.

Die Folge: Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung oder beispielsweise ein Oberschenkelhalsbruch nach häufigen Stürzen hatten gravierende Folgen auf das Überleben der Menschen.

Standardtherapie mit Levodopa-Präparaten

Das Grundgerüst der heutigen Standardtherapie bilden Levodopa- beziehungsweise L-Dopa-Präparate,die die Betroffenen in Tablettenform einnehmen. Diese chemische Vorstufe des körpereigenen Botenstoffs kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und wird im Gehirn schließlich zu Dopamin umgewandelt.

Damit die Betroffenen eine ausreichende Dopamin-Konzentration im Körper aufbauen können, müssen die Tabletten mehrmals täglich eingenommen werden. Denn Levodopa wirkt nur wenige Stunden, bevor es von Leber und Nervenzellen abgebaut wird. Durch das unaufhaltsame Fortschreiten der Krankheit, kann das Gehirn immer weniger des neugebildeten Dopamins speichern.

Aufgrund der komplexen medikamentösen Einstellung sollten sich Patienten gut beraten lassen

Dann können sogenannte Wirkfluktuationen auftreten, wobei sich Phasen der Unbeweglichkeit mit Phasen der Überbeweglichkeit abwechseln. Zusätzlich kann es bei einer mehrjährigen Einnahme auch zu Nebenwirkungen, vor allemunwillkürlichen Überbewegungen (Dyskinesien) kommen.

Aufgrund der komplexen medikamentösen Einstellung sollten sich die Patienten vor Behandlungsbeginn intensiv von einem Parkinson-Experten oder einer auf neurodegenerative und neurogenetische Erkrankungen spezialisierte Klinik wie zum Beispiel am Universitätsklinikum Essen beraten lassen. So ist den Menschen beispielsweise häufig nicht bewusst, dass die Präparate unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden müssen. Ansonsten kann sie der Magen-Darm-Trakt nicht aufnehmen.

Dopaminagonisten als Alternative: Weniger Nebenwirkungen?

Alternativ gibt es sogenannte Dopaminagonisten. In retardierter Form und als Pflaster wirken sie bis zu 24 Stunden lang und sind gleichzeitig in der Lage, den Mangel effizient und gut verträglich auszugleichen. Insbesondere bei jüngeren Parkinson-Betroffenen stellen Dopaminagonisten eine Alternative oder Ergänzung zu Levodopa dar.

Sie erhöhen nicht wie L-Dopa den Dopaminspiegel im Gehirn, sondern ahmen den körpereigenen Botenstoff nach und stimulieren die Dopamin-Rezeptoren der Nervenzellen. Dafür zählen Übelkeit und zum Beispiel Halluzinationen zu der Liste der möglichen Nebenwirkungen.

Auch Impulskontrollstörungen, bei denen die Menschen ungewollte Handlungen und dranghaftes Verhaltennicht mehr steuern können, kommen als Komplikation bei der Therapie mit Dopaminagonisten vor.

Pumpsysteme gewährleisten kontinuierliche Abgabe der Wirkstoffe

Einen solchen Dopaminagonist verabreicht beispielsweise die Apomorphin-Pumpe. Sie zählt neben der Duodopa-Pumpe   und dem Hirnschrittmacherzu den sogenannten Eskalationstherapien. Alle drei Formen werden häufig bei Menschen mit fortgeschrittenem idiopathischen Parkinsonsyndrom eingesetzt – auch die Krankenkassen übernehmen mittlerweile die Kosten.

Ähnlich wie bei der Insulinpumpe wird bei der Apomorphin-Pumpe das Medikament direkt unter die Haut injiziert. Das Gerät gibt den Wirkstoff gleichmäßig ab – die Patienten erhalten ein Stück Lebensqualität und Mobilität zurück, da sie nicht mehrmals täglich Medikamente einnehmen müssen. Zudem ist die einfache Handhabung ein großer Vorteil des Systems, das sich damit besonders gut für noch unentschlossene Patienten eignet.

Ist bei den Betroffenen aufgrund des Krankheitsstadiums die Magen- und Schlucktätigkeit eingeschränkt, kann auch eine Duodopa-Pumpe eine mögliche Alternative darstellen. Hierbei wird die Sonde während einer Darmspiegelungim Dünndarm platziert, die den Wirkstoff direkt als Gel abgibt.

Neben Levodopa können Nährstoffe für Patienten mit Schluckstörungen verabreicht werden.

Der angeschlossene Schlauch wird anschließend mithilfe eines kleinen Stichs durch den Magen und die Bauchdecke verlegt und an eine Pumpe angeschlossen. Diese wird jeweils am Morgen in Betrieb genommen und wird bis zum Abend am Körper getragen.

Neben Levodopa können zusätzlich Nährstoffe für Patienten mit Schluckstörungen verabreicht werden. Nachts kann das Gerät in der Regel abgelegt werden, sodass es beim Schlafen nicht stört. Nur beibesonders schweren und speziellen Fällen ist das System ganztägig im Einsatz.

Der große Vorteil des Systems kommt vor allem bei Menschen mit einsetzender oder bereits mäßig ausgeprägter Demenzzum Tragen. Die Nachteile: Der Schlauch kann unter Umständen verstopfen oder die Sonde verrutscht im Dünndarm.

Beide Pumpsysteme spritzen morgens eine hohe Dosis, auch Startbolus genannt.

Beide Pumpsysteme spritzen morgens eine hohe Dosis, auch Startbolus genannt. Tagsüber geben die Geräte zahlreiche kleinere Dosen ab, um die L-Dopa- bzw. Dopaminagonist-Konzentration im Körper aufrechtzuerhalten.

Reicht diese Menge an Wirkstoff einmal nicht aus und es kommt zu Beschwerden oder Wirkfluktuationen, kann der Patient ergänzend ein Tablette einnehmen oder sich selbst über die Geräte einen Extraboli verabreichen. Um die Pumpen erstmalig einzustellen, ist ein stationärer Aufenthalt von knapp 14 Tagen nötig.

Im Gegensatz zur Insulinpumpe können beide Systeme die Konzentration der Wirkstoffe nicht automatisch bestimmen. Die Messung erfolgt ambulant beim Arzt über eine Symptomkontrolle. Bei motorischen Symptomen stellt sich zwar nachweislich eine Besserung ein, doch bei einer schweren Demenz können die Systeme nicht mehr eingesetzt werden.

Hirnschrittmacher verbessert defekte Neuronennetzwerke

Seit den 1990er-Jahren ergänzt der Hirnschrittmacher die Palette der Eskalationstherapien. Bei einer Operation platzieren Neurochirurg und Neurologe eine Elektrode millimetergenau tief im Gehirn. Von der Tiefen Hirnstimulation, auch DBS (Deep Brain Stimulation)genannt, profitierensowohl alte als auch junge Parkinson-Betroffene. Noch vor einigen Jahren wurde versucht, diese Therapieform so lange wie möglich hinauszuzögern.

Heute rät man bereits jungen Patienten dazu, wenn die ersten motorischen Komplikationen wie Fluktuationen und Dyskinesien auftreten. Den Hirnschrittmacher können sich die Menschen wie einen Stromschaltkasten vorstellen. Das System setzt bestimmte Areale im Hirn außer Betrieb.

Das Besondere: Die defekten und durch die Krankheit aus dem Gleichgewicht gebrachten Neuronennetzwerke funktionieren dadurch nachweislich wieder besser. Das OP-Risiko und dadurch auftretende Nebenwirkungen liegen bei unter einem Prozent. Doch das System hat auch Nachteile. So kann es bei einer beginnenden Demenz sowie kognitiven Störungen nicht mehr verwendet werden.

Noch vor einiger Zeit musste alle fünf Jahre ein neuer Generator eingesetzt werden.

Darüber hinaus sind die Vorbereitungen der Operation zeitintensiv. Auch die Batterie beziehungsweise der Generator, der in den Brustmuskel oder im Bereich des Beckens implantiert wird, muss spätestens alle 20 Jahre ausgetauscht werden. Doch hier hat die Technik mittlerweile große Fortschritte gemacht. Noch vor einiger Zeit musste alle fünf Jahre ein neuer Generator eingesetzt werden.

Trotz der neuen Therapieformen und den Fortschritten bei der Standardtherapie kann die Medizin das idiopathische Parkinsonsyndrom nicht heilen. Es bleibt lediglich ein Kampf gegen die Symptome und für mehr Lebensqualität. Die Hoffnungen beruhen in dem kommenden Jahre vor allem auf einer Weiterentwicklung der verwendeten Medikamente und Technik.

Quelle: https://www.focus.de/gesundheit/arzt_medikamente/diagnose-morbus-parkinson-parkinson-tabletten-pumpen-hirnschrittmacher-welche-therapie-eignet-sich-fuer-wen_id_8788066.html

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