Entwarnung für die Levodopa-Therapie: Die LEAP-Studie hat ergeben, dass die L-Dopa-Einnahme über zwei Jahre bei Patienten mit Parkinson-Erkrankung im Frühstadium keine negativen Effekte hat. Die Toxizitätsdiskussion sei nun so gut wie beendet, teilt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie mit.

Die derzeit wirksamste medikamentöse Standardtherapie der Parkinson-Erkrankung (PD) ist die Behandlung mit Levodopa (L-Dopa) oder mit direkt wirkenden Dopaminrezeptoragonisten (DA), erinnert die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Levodopa wird seit mehr als 40 Jahren verordnet. Die deutliche Linderung der Krankheitssymptome durch Substitution von Dopamin sei bekannt, Levodopa sei kostengünstig und sehr wirksam, so die DGN. Trotzdem werde die Einleitung der Therapie und rechtzeitige Anpassung von Levodopa von vielen Neurologen und ihren Patienten oft verzögert.

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Bis heute war, so die DGN, nicht klar: Hemmt oder beschleunigt Levodopa das Fortschreiten der Krankheit? Welche Langzeitwirkungen ergeben sich? Muss zum Beispiel befürchtet werden, dass eine langfristige Levodopa-Einnahme durch oxidativen Stress die der Erkrankung zugrundeliegende Neurodegeneration forciert? Oder hat eine frühe Behandlung mit Levodopa eine vorteilhafte krankheitsmodifizierende Wirkung auf die Symptome der PD und die funktionelle Gesundheit?

Die vor Kurzem publizierte LEAP (Delayed-start Trial Levodopa in Early Parkinson’s Disease)-Studie untersuchte, ob eine frühzeitige Behandlung mit Levodopa eine vorteilhafte krankheitsmodifizierende Wirkung auf die Symptome der PD und die funktionelle Gesundheit hat (N Engl J Med 2019; 380: 315-324).

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Im Ergebnis zeigte sich laut DGN-Mitteilung nach fast zwei Jahren zwischen beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied im Krankheitsschweregrad (UPDRS, motorische Funktionen, geistige Leistungsfähigkeit, Alltagsaktivität). Es traten keine vermehrten Dyskinesien oder motorischen Einschränkungen auf. Die Frühstartergruppe war leicht im Vorteil, was die Wirkung von Levodopa auf die Symptome der Krankheit betrifft.

„Die frühzeitige Therapie mit L-Dopa war in dieser randomisierten Studie nicht mit zusätzlichen Risiken behaftet“, wird Senior-Professor Günther Deuschl, Parkinson-Experte vom Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Mitautor der Studie, in der Mitteilung der DGN zitiert. „Befürchtungen toxischer Effekte wurden damit nicht bestätigt.

Die klinische Bedeutung der Daten ist enorm, weil damit die Toxizitätsdiskussion um diese Substanz so gut wie beendet ist. Dass womöglich im weiteren Verlauf Fluktuationen und Dyskinesien früher auftreten, lässt sich durch die Studie allerdings nicht ausschließen. Der Verlust an Lebensqualität in den ersten Jahren der Erkrankung kann aber durch Levodopa am besten behandelt werden.“

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Quelle: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/morbus_parkinson/article/980299/parkinson-levodopa-toxizitaet-ist-widerlegt-sagen-neurologen.html?sh=2&h=-2006675699