Als ich mich vor fünf Jahren für einen neuen Job in einer Tanzschule in Freiburg im Breisgau vorstellte, kam am gleichen Tag ein Mann dort vorbei. Er stellte sich vor als der Leiter einer Parkinson Selbsthilfegruppe der deutschen Parkinsonvereinigung (dPV) und war auf der Suche nach Räumlichkeiten für Tanzunterricht. Er und seine Gruppe begleiteten zu der Zeit eine Doktorarbeit, die das Thema „Tanzen mit Parkinson“ behandelte. Meine damalige zukünftige Chefin fand das Projekt toll und machte ihm ein Angebot für die kostenlose Nutzung eines der Tanzräume.

Ca. vier Wochen später war ich dann wieder in Freiburg – ich hatte die Zusage für den Job und war auf Wohnungssuche. Genau an diesem Tag tauchte der Leiter der Selbsthilfegruppe wieder dort auf. Er hatte sich in den letzten Wochen nicht mehr gemeldet und entschuldigte sich. Außerdem wollte er aber das Raumangebot annehmen – vorausgesetzt, meine Chefin wüsste auch eine Tanzpädagogin, die den Unterricht leiten könnte, denn die Doktorarbeit war beendet und es gab keine Gelder mehr, um es in diesem Rahmen weiter zu führen.

Ich selbst war zu der Zeit in einer nebenberuflichen tanzmedizinischen Weiterbildung und meine Chefin sagte ganz salopp „Hier, Lena kann das machen. Das passt doch gut!“

Ich hatte keine Ahnung im Bereich des therapeutischen Tanzens, kannte niemanden, den ich dazu hätte befragen können und von Parkinson hatte ich schon gar keine Ahnung. Der Leiter der Gruppe sicherte mir aber zu, dass er mir helfen würde, den Unterricht zu gestalten und dass die Gruppe mir ihre bisherigen Übungen und Erfahrungen zeigen wollte. Also sagte ich zu.

Im Nachhinein ist das alles für mich kein Zufall mehr, sondern es war das Schicksal, das an meine Tür geklopft hat und ich musste es nur herein lassen.

Die Gruppe war toll. Mit Anfangs 21 Erkrankten traf ich mich freitags in den Räumlichkeiten der Tanzschule. Zuvor hatte ich mir ein paar Bücher besorgt, Google durchforstet und viele viele youtube Videos angeschaut. Ich schaute mir die Inhalte von Dance for PD aus Amerika an und fing an, ein eigenes Unterrichtskonzept zu entwickeln. Meine TänzerInnen halfen mir sehr dabei. Unser Umgang war offen und vor allem ehrlich – Übungen, die nicht umsetzbar waren, zu schnell, zu schwierig oder zu langweilig, strichen wir aus unserem Repertoire oder änderten sie so ab, dass es möglich wurde, sie auszuführen. Ich lernte innerhalb kürzester Zeit viel über das Krankheitsbild und seine Symptome. Meine TänzerInnen hätten unterschiedlicher nicht sein können und ich hatte viele verschiedene Krankheitsstufen in meiner Gruppe.

Die Gruppe war auch der Grund dafür, dass ich mich nach zwei Jahren entschied nach Hamburg zu ziehen. Ich wollte mehr lernen und meinen Horizont erweitern, wollte mehr mit Menschen arbeiten, denen Grenzen gesetzt wurden durch Krankheit, Behinderung oder einfach dem Lauf des Lebens. In meinem Kopf entstand außerdem die Idee für ein Tanztheater, von dem ich plante, es irgendwann auf die Bühne zu bringen und dem Publikum einen Blick auf eine Seite der Krankheit zu schenken, die man nicht einfach so in Büchern oder bei google finden kann.

Die vollständige Geschichte von Lena finden Sie hier: https://teamdopamin.de/der-tanz-mit-herrn-parkinson/bewegung/

 

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