Die Oberärztin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Prof. Karla Eggert, ist an der Erforschung neuer Behandlungsmöglichkeiten beteiligt. Der Ansatz: Man setzt Antikörper auf das verklumpte Eiweiß an – wie bei einer Impfung. Sie sollen die Verklumpungen außerhalb der Zellen abfangen und Parkinson so stoppen.

Derzeit laufen drei Studien und erforschen diesen Mechanismus. In Österreich entwickelt eine Studiengruppe eine aktive Immunisierung. Den Studienteilnehmern werden – wie etwa bei einer Grippeimpfung – DNA-Schnipsel des Synukleins injiziert. Darauf reagiert das Immunsystem und produziert selbst Antikörper, die das Eiweiß bekämpfen.

In Deutschland laufen zwei Studien, die die Möglichkeiten einer passiven Immunisierung untersuchen. Hier werden den Versuchspersonen direkt maßgeschneiderte Antikörper injiziert. In der einen Untersuchung war das der Wirkstoff Prasinezumab, in der anderen ein Wirkstoff mit dem sperrigen Namen BIIB054. Die Antikörper sollen die Eiweiß-Moleküle abfangen, sobald sie eine Zelle verlassen und so verhindern, dass sie weitere Zellen befallen.

Beide Studien befinden sich in der zweiten Phase. Darin wird die Sicherheit des Stoffs an gesunden Teilnehmern geprüft. Jetzt untersuchen die Forscher, ob die Antikörper tatsächlich über die Blutbahn ins Gehirn, also zu den betroffenen Nervenzellen gelangen. Die ersten Ergebnisse liegen voraussichtlich in zwei, beziehungsweise drei Jahren vor. „Unser Ziel: Nachweisen, dass die motorischen Fähigkeiten der Patienten, die diese Antikörper bekommen, sich weniger stark verschlechtern als bei Pateinten ohne die Behandlung“, sagt Neurologin Eggert.

Eine große Herausforderung für die Entwickler der neuen Therapie ist die nötige Zielgenauigkeit. Die Antikörper dürfen nur das krankmachende Alpha-Synuklein bekämpfen. „Das nicht verklumpte Eiweiß erfüllt eine wichtige Funktion – wahrscheinlich in der Botenstofffreisetzung und der Umstrukturierung des Gehirns“, erklärt die Oberärztin. Darum darf es von den Antikörpern nicht attackiert werden.

Wann eine solche Therapie für Parkinson-Patienten verfügbar ist, ist noch nicht absehbar. Bis dahin gilt es weiterhin, die Symptome der Erkrankung zu behandeln.

Quelle:

https://www.netdoktor.de/magazin/impfung-gegen-parkinson/

Teile: