Bei Alzheimer oder Parkinson gibt es derzeit keine Heilung. Ein Kottgeiseringer hat jetzt womöglich den Schlüssel dafür entdeckt, das zu ändern. Molekulare Anstandsdamen könnten langfristig neue Hoffnung für Betroffene bedeuten. Dem Zellbiologen Franz-Ulrich Hartl brachte ihre Entdeckung eine außergewöhnliche Ehrung ein.

Kottgeisering – Noch bedarf es intensiver Forschung. Aber die Grundlagen sind gelegt. Das brachte Franz-Ulrich Hartl den Paul-Ehrlich-Preis ein. Der 61-Jährige ist Professor am Max-Planck-Institut für Biochemie in München-Martinsried. Er hat in Heidelberg studiert und an der Ludwig-Maximilians-Universität München habilitiert. Seit Jahrzehnten ist Hartl in seinem Forschungsgebiet aktiv.

Bereits Ende der 1980er-Jahre war dem Zellbiologen und seinem Team bewusst geworden, dass sie etwas Großem auf der Spur sind. Sie hatten Moleküle entdeckt, die die Proteine (Eiweiße) in den menschlichen Zellen bei ihrer Faltung unterstützen – die sogenannten Chaperone. Hartl verwendet gerne die wörtliche deutsche Übersetzung des Begriffs: Anstandsdame.

„Denn wie Anstandsdamen früher bei noch nicht verheirateten Paaren verhindern auch die Moleküle, dass zusammenkommt, was nicht zusammengehört“, erklärt der 61-Jährige. Die Chaperone schützen die Proteine beim Faltungsvorgang. Welche Bedeutung diese Aufgabe in medizinischer Hinsicht hat, wurde aber erst um die Jahrtausendwende deutlich.

Die Eiweißmoleküle spielen auch bei neurodegenerativen Erkrankungen eine große Rolle. Die Ursache für Parkinson, Alzheimer oder ALS (die Krankheit, an der etwa der 2018 verstorbene, berühmte Physiker Stephen Hawking litt) sind verklumpte Eiweiße. „Wir haben gesehen, dass Chaperone, sofern sie in ausreichender Zahl vorhanden sind, die Verklumpung verhindern“, sagt Hartl. Bei Erkrankten zeigte sich jedoch, dass die molekularen Anstandsdamen zahlenmäßig abgenommen hatten.

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Proteine sind die Bausteine des Lebens. Die großen Moleküle aus Aminosäurebausteinen finden sich in jeder Zelle und erfüllen je nach ihrer Struktur unterschiedliche Aufgaben, die für die Funktion der menschlichen Organe von Bedeutung sind. Um ihre Aufgabe erledigen zu können, müssen sich die Proteine jedoch zunächst in die richtige Struktur falten. 

Diese Faltung ist ein komplexer wissenschaftlicher Vorgang. Der Kottgeiseringer Zellbiologe Franz-Ulrich Hartl nennt ihn ein wenig scherzhaft eine „Origami-Reaktion“ – nach der japanischen Papierfaltkunst. „Es gibt Millionen von Faltungen, aber nur eine korrekte, die zur Funktion führt“, sagt Hartl. 

Die Gefahr, dass bei der Faltung etwas schief läuft, ist deshalb relativ groß. Hier kommen die von Hartl und seinem Team entdeckten Chaperone ins Spiel, die nicht nur ein Verklumpen der Proteine verhindern, sondern auch beim Abbau falsch gefalteter Moleküle helfen. 

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Den ganzen Artikel von Andreas Daschner finden Sie hier: https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/kottgeisering-ort377145/kottgeisering-bayern-zellbiologe-erhaelt-paul-ehrlich-preis-11822111.html

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