Archiv für den Monat: April 2014

Wenn das Hirn den Müll nicht mehr trennt

Die Forschung macht viele Fortschritte – doch die Ursachen von Morbus Parkinson sind immer noch nicht vollständig geklärt.

Salvador Dali litt darunter, Theodor Roosevelt, Mao Tse-tung und Leonid Breschnew. Stars wie der Schauspieler Michael J. Fox und der Boxer Muhammad Ali nutzen ihre Prominenz, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken: Morbus Parkinson ist keine unbekannte Erkrankung – und schon gar keine seltene. 250.000 bis 400.000 Menschen sind Schätzungen zufolge in Deutschland betroffen, von den 80-Jährigen leiden etwa ein Prozent darunter, sagt Professor Rüdiger Hilker-Roggendorf, leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie des Universitätsklinikums Frankfurt.

Trotzdem dauert es häufig lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird, denn im Anfangsstadium sind die Symptome dieser langsam fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung oft unspezifisch. Erste Anzeichen können zum Beispiel Verstimmungen oder eine mangelnde Lust auf Neues sein. Da viele Patienten im Alter zwischen 50 und 60 erkranken, könne würden die Beschwerden das leicht nicht selten auf Veränderungen in diesem Lebensabschnitt geschoben werden, erklärt der Mediziner: „Das ist für viele eine Umbruchphase, wo der Eintritt in die Rente naht.“

Andere leiden unter Muskelverspannungen oder Schulterbeschwerden, ein sehr frühes Zeichen kann auch sein, dass ein Arm beim Gehen weniger mitschwingt als der andere. „Solche Patienten gehen dann oft erst zum Orthopäden“, sagt Hilker-Roggendorf. Selbst das so typische Zittern wird zuweilen nicht gleich richtig zugeordnet.

Parkinson ist gekennzeichnet von einer Vielzahl von Symptomen, die allerdings nicht alle gemeinsam bei einem Patienten auftreten: Die wichtigsten sind verlangsamte, auch oft unkoordinierte Bewegungen bis hin zur Starre, das Zittern in Ruhe (daher der frühere Name Schüttellähmung), eine Steifheit der Muskeln sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Oft verkleinere sich zudem die Schrift, die Stimme werde leiser und ausdrucksloser, erläutert Rüdiger Hilker-Roggendorf. Manche Menschen können die Blase nicht mehr richtig kontrollieren, manche haben Probleme mit der Verdauung, andere schwitzen leicht, wieder andere schlafen schlecht. Als psychische Probleme kommen bei etwa der Hälfte der Parkinsonkranken Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit hinzu, die schließlich auch in eine Depression münden können.

Viele dieser Symptome sind auf den für Parkinson kennzeichnenden Mangel an Dopamin zurückzuführen – jenem Botenstoff, der dafür sorgt, dass wir uns flexibel bewegen und schnell reagieren können, der aber auch unsere Motivation anstößt und, Freude sowie positive Gefühle vermittelt. Bereits beim normalen Altern geht die Produktion an Dopamin zurück, allerdings bei weitem nicht in dem Maße wie bei Parkinson: Dort hat der Mangel mit dem Absterben der Dopamin produzierenden Nervenzellen in der (aufgrund von Melanineinlagerungen) schwarzen Substanz, der Substantia nigra, im Mittelhirn zu tun, wie Professor Jochen Roeper, Leiter des Instituts für Neurophysiologie an der Uniklinik Frankfurt, erklärt. Außerdem kommt es bei Parkinson – ähnlich wie bei Alzheimer – zu Ablagerungen von verklumptem Eiweiß im Gehirn.

Hier lesen Sie den ganzen Artikel aus der FR vom 10.04.2014:

http://www.fr.de/wissen/gesundheit/parkinson-wenn-das-hirn-den-muell-nicht-mehr-trennt-a-602496